Nach LAZARUS (1966) sowie LAZARUS und AVERILL (1972) ist Angst eine Emotion, die entsteht, wenn ein Individuum eine Situation als bedrohlich bewertet. Die Bewertung einer Situation als bedrohlich und die Suche nach geeigneten Abwehrmaßnahmen ist nach LAZARUS ein mehrphasiger Prozeß, in dem nacheinander Möglichkeiten der Vermeidung oder Beseitigung der Bedrohung beurteilt werden.
Zu den Vorbedingungen sollen Situations- und Dispositionsvariablen wie z.B. Ängstlichkeit, kognitive Stille und Einstellungen gehören. Die psychischen Mediationsvorgänge werden als mehrstufiger Bewertungsprozeß verstanden, in dem auf einer Eingangsstufe, zunächst nur eine Bewertung hinsichtlich der Bedrohlichkeit einer Situation vorgenommen wird. Darauf folgt eine zweite Stufe, auf der, je nach vorangegangener Entscheidung, eine Einschätzung hinsichtlich des Vorhandenseins von Maßnahmen zur Vermeidung oder Auflösung eventueller Schädigungen abgegeben wird. Je nach Art des Ergebnisses dieser Einschätzung soll sich das Individuum bei den generellen Beantwortungsarten (coping) entweder für direkte Handlungen (Flucht oder Angriff) oder für intrapsychische Prozesse entscheiden. Die Frage nach der Natur dieser Prozesse ist für LAZARUS der eigentliche Gegenstand der Angst und Angstverarbeitungsforschung. Wenn eine Person keine direkten Handlungsmöglichkeiten zur Vermeidung einer Bedrohung sieht, werden intrapsychische Prozesse in Gang gesetzt. Intrapsychische Prozesse stellen damit kognitive Formen der Beseitigung eines Konflikts dar, wenn anfangs eine Situation als bedrohlich erkannt wurde und darauf keine adäquate Beantwortung zur Lösung des Konflikts gefunden wurde. Einer der wichtigsten intrapsychischen Prozesse ist die Aufmerksamkeitsveränderung. Die Aufmerksamkeit in Bezug auf die Gefahrenquelle soll dabei variieren zwischen Vigilanz[3] und Vermeidung[4].
Auf einer dritten Stufe der psychischen Vermittlungsvorgänge kommt es zu einer Neubewertung der Situation. Diese Stufen des Mediationsvorganges werden wiederholt durchlaufen. Abbildung 2-1 gibt eine schematische Darstellung des Modells von LAZARUS (siehe dazu auch LAZARUS & AVERILL, 1972 und KRONE, 1976).

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