Angstauslöser durch Reizüberflutung

SCHIÖBERG-SCHIEGNITZ nennt folgende angstauslösende Faktoren, die bei Anfängern auftreten können:

Durch die Anpassung unserer Sinne an das Leben über Wasser nehmen wir die Informationen unter Wasser nur ungenau oder fehlerhaft wahr.

Licht wird unter Wasser anders gebrochen als an der Luft. Dadurch erscheint mit bloßem Auge im Wasser alles unscharf. Erst das Luftpolster im Maskeninnenraum ermöglicht ein normales Sehen. Es bewirkt zusammen mit der Glasscheibe noch etwas anderes. So erscheinen alle Gegenstände im Wasser ein Drittel größer und ein Viertel näher. Die Netzhaut nimmt so alle Gegenstände vergrößert war. Um auf das Wahrgenommene richtig zu reagieren, müssen erst alle ankommenden Informationen in übergeordneten Hirnzentren umgerechnet und neu bewertet werden. Die momentane Situation kann danach als normal erkannt werden. Diese übergeordneten Hirnzentren setzen die von den verschiedensten Sinnesorganen gemeldeten Informationen in Beziehung und schätzen so die augenblickliche Lage realistisch ein. Über Wasser geschehen diese Vorgänge unbewußt, hier hat der Mensch es nicht mehr nötig, sein Großhirn zu bemühen. So denken wir nicht mehr über mögliche Reaktionen auf ein Stolpern nach, wir machen den größeren Schritt automatisch, um unseren Körper abzufangen. Diese überall im Alltag vorkommenden Automatismen der Reaktion auf bestimmte Reize, entlasten unser Großhirn und machen es uns erst möglich, komplexe Aufgaben zu erfüllen. Unter Wasser gibt es diese Automatismen oder Reflexe nicht. Unser Großhirn verrichtet hier Schwerstarbeit. Daher fällt es dem Menschen so schwer, in 40 Metern Tiefe, simpelste mathematische Aufgaben richtig zu lösen. Kommt es bei dieser Schwerstarbeit noch zu widersprüchlichen Informationen (z.B. die Augen vermitteln eine andere Situation als die Gleichgewichtsorgane, bei einseitig mangelhaftem Druckausgleich) oder zu zueinander nicht passenden Informationen (z.B. Möglichkeit des Atemholens in einem Medium, wo es eigentlich nicht möglich ist, beispielsweise während des Schnorchelns ohne Maske), ist das Großhirn überfordert die augenblickliche Lage realistisch einzuschätzen. In solchen Situationen vermitteln die Emotionszentren je nach Ausprägungsgrad ein Gefühl von Unwohlsein über Verwirrung und Angst bis hin zur Panik (vgl. SCHIÖBERG-SCHIEGNITZ, 1994).

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Angst und Angstverarbeitung beim Tauchen

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Einschätzung der physiologischen Erregung

Erregung bis zum Zeitpunkt "Beim Auftauchen" auszumachen
und das ohne den Peak zum Zeitpunkt "Am Tauchplatz".

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