Persischer Kalender

Der heute im Iran und Afghanistan gebräuchliche Kalender wurde im damaligen Persien 1925 eingeführt. Afghanistan übernahm den Kalender 1957. Hier werden jedoch für die Monate die arabischen Bezeichnungen für die den persischen Monaten entsprechenden Tierkreiszeichen verwendet.

Im vorislamischen Persien galt ein dem altägyptischen entsprechender Kalender, in dem sich das Jahr aus zwölf Monaten zu je 30 Tagen zusammensetzte. Fünf Zusatztage wurden zwischen dem achten und neunten Monat eingeschoben. Ab etwa dem Jahr 1000 (greg.) wurden die Zusatztage nach dem letzten Monat angehängt.

Durch die unveränderliche Jahreslänge von 365 Tagen bewegte sich der Jahresanfang gegenüber den Jahreszeiten um einen Tag aller vier Jahre rückwärts. Nach einiger Zeit wurden dadurch die Steuern zu einem Zeitpunkt fällig, zu dem die Ernte noch gar nicht eingebracht werden konnte. Unter dem Kalifen al-Mutawakkil (Kalif 847-861) sollte durch eine Reform der Jahresanfang (Naw Ruz) um 57 Tage verschoben werden, jedoch kam die Reform nicht zur Umsetzung. Im Jahre 895 wurde vom Kalifen al-Mu'tadid (Kalif 892-902) verfügt, dass der Jahresanfang um 60 Tage verschoben werden sollte und dass aller vier Jahre ein sechster Zusatztag hinzugefügt werden sollte, um den Kalender mit dem Julianischen Kalender in Übereinstimmung zu halten. Aber auch diese Reform wurde nicht verwirklicht.

Erst unter dem seldschukischen Herrscher Dshalal ad-Din Malik Shah (r. 1073-1092) wurde Neujahr auf das Frühjahrsäquinoktium festgelegt. Das Jahr setzte sich weiterhin aus zwölf Monaten und fünf Zusatztagen zusammen. Ein sechster Zusatztag wurde angefügt, wenn die Sonne am letzten Tag des Jahres bis Mittag nicht im Sternzeichen Widder stand. Es wurde also keine feste Schaltregel vorgesehen, sondern ein beobachtungsbasierter Kalender realisiert.

Für diese Kalenderreform hatte der Mathematiker, Astronom und Dichter Omar Chayyam eine Schaltregel ausgearbeitet, die innerhalb eines Zyklus von 33 Jahren 8 Schaltjahre vorsah. Damit wäre eine durchschnittliche Jahreslänge von (365 + 8/33) d = 365,2424.. d erreicht worden. Chayyams Vorschlag wurde jedoch nicht in die Praxis umgesetzt.

Der moderne persische Kalender hat recht komplizierte Schaltregeln, die innerhalb eines Zyklus von 2820 Jahren 683 Schaltjahre vorsehen. Damit beträgt die durchschnittliche Jahreslänge (365 + 683/2820) d = 365,2422 d. Setzt man eine unveränderliche Länge des tropischen Jahres voraus, so läuft sich der übrigbleibende Fehler erst in über 2 Millionen Jahren zu einem Tag auf!

Zur Festlegung der Schaltjahre werden die 2820 Jahre eines Zyklus in 21 Unterzyklen zu jeweils 128 Jahren und einen anschließenden Unterzyklus von 132 Jahren aufgeteilt. Jeder der Unterzyklen mit 128 Jahren wird in einen Unter-Unterzyklus mit 29 Jahren, gefolgt von drei Unter-Unterzyklen mit jeweils 33 Jahren aufgeteilt. Schließlich setzt sich der 132-Jahres-Unterzyklus aus einem Unter-Unterzyklus mit 29 Jahren, zwei Unter-Unterzyklen mit je 33 Jahren und einem abschließenden Unter-Unterzyklus mit 37 Jahren zusammen.

Innerhalb dieser Zyklen werden die Jahre nummeriert. Schaltjahre sind diejenigen Jahre, deren Nummer innerhalb des Unter-Unterzyklus größer als 1 ist und bei Teilung durch 4 den Rest 1 lässt.

Ein Jahr besteht aus zwölf Monaten, deren Reihenfolge, Namen und Längen in der folgenden Tabelle ersichtlich sind (* - Länge in Schaltjahren).

 Nr. MonatLänge 
Farvardin31
Ordibehescht31
Chordad31
Tir31
Mordad31
Shahrivar31
Mehr30
Aban30
Asar30
10 Dey30
11 Bahman30
12 Esfand29, 30*

Die Zählung der Jahre erfolgt vom Jahre der Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina (622). Am 20. März 2008 begann mit dem 1. Farvardin das Jahr 1387. Naw Ruz 1388 entspricht dem 21. März 2009 des Gregorianischen Kalenders.

Tabelle zur Umrechnung von Daten des Persischen in Daten des Gregorianischen Kalenders

Die Tabelle besteht im Wesentlichen aus drei Spalten, in denen für die verschiedenen Möglichkeiten, wie Persische und Gregorianische Normal- und Schaltjahre aufeinanderfallen können, die Entsprechungen der Monatsersten des Persischen Kalenders im Gregorianischen Kalender angegeben sind. Die Differenz zwischen Gregorianischer und Persischer Jahreszahl in jedem Persischen Monat findet sich in der letzten Spalte. Sie beträgt für die Monate Farvardin bis Dey 621 und für die Monate Bahman und Esfand 622.

Zur Umwandlung vom Persischen in den Gregorianischen Kalender ist zunächst die (persische) Jahreszahl im unteren Teil der Tabelle zu suchen. Die Gregorianischen Entsprechungen der Persischen Monatsersten sind in derjenigen Spalte angegeben, in der sich diese Jahreszahl befindet. Zur Ermittlung der Gregorianischen Jahreszahl ist lediglich die Persische Jahreszahl um die in der letzten Spalte angegebenen Einheiten (621 oder 622) zu erhöhen.

Beispiel:

Es ist das Gregorianische Datum des 10. Tir 1369 zu finden. Die Jahreszahl 1369 findet sich in der mittleren Spalte. Man findet im oberen Teil der mittleren Spalte: 1. Tir = 22. Juni. Die Jahreszahl erhält man durch 1369 + 621 = 1990. Der 1. Tir 1369 (pers.) enstprach also dem 22. Juni 1990 (greg.). Daraus folgt, dass der 10. Tir 1369 dem 31. Juni 1990, d. h. dem 1. Juli 1990 entsprach.

 1 Farvardin22.3.21.3.20.3.+621 
1 Ordibehescht22.4.21.4.20.4.+621
1 Chordad23.5.22.5.21.5.+621
1 Tir23.6.22.6.21.6.+621
1 Mordad24.7.23.7.22.7.+621
1 Shahrivar24.8.23.8.22.8.+621
1 Mehr24.9.23.9.22.9.+621
1 Aban24.10.23.10.22.10.+621
1 Asar23.11.22.11.21.11.+621
1 Dey23.12.22.12.21.12.+621
1 Bahman22.1.21.1.20.1.+622
1 Esfand21.2.20.2.19.2.+622
     
    1281 1282 1285 1286 1289   1280 1283 1284 1287 1288   1375 1379 1383 1387 1391 
    1290 1293 1294 1297 1298   1291 1292 1295 1296 1299   1395 1399 1403 1404 1407 
    1301 1302 1305 1306 1310   1300 1303 1304 1307 1308   1408 1411 1412 1415 1416 
    1314 1318 1322 1326 1330   1309 1311 1312 1313 1315   1419 1420 1423 1424 1427 
    1334 1338    1316 1317 1319 1320 1321   1428 1431 1432 1435 1436 
     1323 1324 1325 1327 1328   1437 1439 1440 1441 1443 
     1329 1331 1332 1333 1335   1444 1445 1447 1448 1449 
     1336 1337 1339 1340 1341   1451 1452 1453 1455 1456 
     1342 1343 1344 1345 1346   1457 1459 1460 1461 1463 
     1347 1348 1349 1350 1351   1464 1465 1467 1468 1469 
     1352 1353 1354 1355 1356   1470 1471 1472 1473 1474 
     1357 1358 1359 1360 1361   1475 1476 1477 1478 
     1362 1363 1364 1365 1366  
     1367 1368 1369 1370 1371  
     1372 1373 1374 1376 1377  
     1378 1380 1381 1382 1384  
     1385 1386 1388 1389 1390  
     1392 1393 1394 1396 1397  
     1398 1400 1401 1402 1405  
     1406 1409 1410 1413 1414  
     1417 1418 1421 1422 1425  
     1426 1429 1430 1433 1434  
     1438 1442 1446 1450 1454  
     1458 1462 1466 1479  

Die Tabelle kann auch zur Konversion in der umgekehrten Richtung verwendet werden. Die Erarbeitung der Vorgehensweise dafür sei dem Leser überlassen.

 

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http://www.ortelius.de/kalender/pers_de.php   © Holger Oertel 2000-2008; letzte Änderung: 30. Mai 2009

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