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Als in den 1950-er Jahren in Indien eine Kalenderreform in Angriff genommen wurde, wurden etwa 30 Kalender von überregionaler Bedeutung gezählt. Diese Vielfalt machte Reformbestrebungen sehr schwer, und der schließlich vorgeschlagene Nationalkalender hat bisher keinen Eingang in das bürgerliche oder religiöse Leben der Menschen Indiens gefunden. Neben den hier beschriebenen Kalendern findet unter den Muslimen Indiens natürlich der islamische Kalender Anwendung.
Obwohl die grundsätzlichen Einrichtungen der Kalender in Indien - abgesehen vom islamischen Kalender - gleich sind, bieten diese jedoch eine Fülle von Variationsmöglichkeiten. Die Kalender basieren auf Berechnungen, die die scheinbaren Bewegungen von Sonne und Mond abbilden. Da jedoch unterschiedliche Annahmen hinsichtlich der Längen von Monaten und Jahren getroffen werden, entsteht eine Vielfalt von Kalendervarianten. Dazu kommt, dass Monatsnamen und Jahresanfänge regional unterschiedlich gehandhabt werden und eine Vielzahl von Ären verwendet werden. In diesem Rahmen sind alle Angaben in diesem Artikel zu verstehen.
Die indischen Kalender beruhen nicht auf den den meisten anderen Kalendern zu Grunde liegenden Zeiteinheiten (also Sonnentag und tropisches Jahr), sondern verwenden auf Fixsterne bezogene Einheiten. Das Kalenderjahr indischer Kalender orientiert sich demnach am siderischen Jahr, dem Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden Durchgängen der Sonne durch den Stundenkreis eines Fixsternes. Weiterhin finden ein Mondtag sowie der siderische Monat Verwendung. Für Lunisolarkalender werden auch synodischer Monat und Mondjahr berücksichtigt.
Das astronomische Wissen des alten Indien wurde in siddhântas, wissenschaftlichen Abhandlungen festgehalten. In ihnen wurden auch Werte für Jahres- und Monatslängen angegeben, die dem Wissensstand der Entstehungszeit entsprechen. Diese Jahreslängen reichen von 365,258681 Tagen in der Âryabhatiya(1) bis zu 365,258756 Tagen in der Sûrya-siddhânta(2) und sind, verglichen mit dem modernen siderischen Jahre von 365,25636 Tagen, zu lang. Trotzdem werden sie bis heute für die indischen Kalender verwendet.
Durch den Fehler in der angenommenen Länge des siderischen Jahres und durch die Präzession verschiebt sich der Jahresanfang langsam gegenüber den tatsächlichen Wetterbedingungen. Obwohl man sich darüber wohl schon in alter Zeit im Klaren war, wurden nie Versuche unternommen, das tropische Jahr als Grundlage für den Kalender einzuführen.
Die meisten Lunisolarkalender, darunter der Jüdische Kalender sowie der der Berechnung des Osterfestes zu Grunde liegende zyklische Mondkalender verwenden den synodischen Monat als Basis. Auch in den unterschiedlichen Varianten indischer Lunisolarkalender findet diese Zeiteinheit Anwendung. Allerdings tritt der siderische Monat hinzu. Dieser ist etwa zwei Tage kürzer als der synodische Monat, und in den verschiedenen siddhântas sind unterschiedliche Werte für seine Länge angegeben.
Einzigartig ist die Definition eines Mondtages der im Mittel etwa 22,5 Minuten kürzer ist als ein Sonnentag.
Während eines synodischen Monats wächst der zwischen Sonne und Mond gemessene Winkel von 0° bei Neumond auf 180° bei Vollmond und schließlich - misst man den Winkel weiterhin in der gleichen Richtung - auf 360° beim nächsten Neumond. Diese 360° werden nun in 30 gleiche Abschnitte unterteilt, die jeweils 12° umfassen. Die Zeit, während der der Winkel zwischen Sonne und Mond um diese 12° zunimmt wird als tithi oder Mondtag bezeichnet. Da die 30 Abschnitte die gleiche Größe haben, hat ein tithi eine durchschnittliche Länge von 1/30 eines synodischen Monats, das sind etwa 23 Stunden 37 Minuten und 28 Sekunden. Durch die Unregelmäßigkeiten in den Bewegungen von Mond und Sonne ändert sich die tatsächliche Länge sowohl der tithis als auch der Sonnentage.
Jeder Mondmonat wurde in zwei Hälften geteilt, die aus jeweils 15 tithis bestehen. Die "helle" Hälfte (shuklapaksha) dauert von Neumond bis Vollmond, die "dunkle" Hälfte (krishnapaksha)von Voll- bis Neumond.
Aufbauend auf diesen Zeiteinheiten wurde ein zunächst etwas kompliziert anmutendes, aber im Grunde auf einfachen klaren Regeln basierendes Kalendersystem entwickelt. Allerdings ist es wegen der unzähligen Variationen, die unterschiedliche Jahres- und Monatslängen, Jahres- und Monatsanfänge sowie Monatsbezeichnungen verwenden, kaum möglich, verlässliche Umrechnungsalgorithmen anzugeben.
Jeweils zwei Monate bilden eine Jahreszeit (ritu), womit ein Jahr sechs Jahreszeiten hat.
Für die Lunisolarkalender wurde die Ekliptik in 27 nakshâtras (Mond-Häuser) unterteilt, die durch Sternbilder gekennzeichnet sind. Die Zahl 27 wurde so gewählt, dass der Mond während eines siderischen Monats etwa täglich ein solches nakshâtra passiert. Die folgende Tabelle zeigt Anordnung und Namen der nakshâtras sowie die zu den Sternbildern zusammen gefassten Sterne.
| Nr. | Name | Sterne | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Ashvinî | β und γ Arietis | |||
| 2 | Bharanî | 35, 39 und 41 Arietis | |||
| 3 | Krittikâ | Plejaden | |||
| 4 | Rohinî | Aldebaran | |||
| 5 | Mrigashiras | λ, φ1 und φ2 Orionis | |||
| 6 | Ârdrâ | α Orionis | |||
| 7 | Purnavasû | α und β Geminorum | |||
| 8 | Pushyâ | γ, δ und θ Cancri | |||
| 9 | Âshleshâ | δ, ε, η, ρ und σ Hydrae | |||
| 10 | Maghâ | α, γ,ε, ζ, η und μ Leonis | |||
| 11 | Pûrva-phalgunî | δ und θ Leonis | |||
| 12 | Uttara-phalgunî | β und 93 Leonis | |||
| 13 | Hastâ | α, β, γ, δ und ε Corvi | |||
| 14 | Tshitrâ | Spica und α Virginis | |||
| 15 | Svâtî | Arktur | |||
| 16 | Vischâkhâ | α, β, γ und ι Librae | |||
| 17 | Anurâdhâ | β, δ und π Scorpionis | |||
| 18 | Dshyeshthâ | α, σ und τ Scorpionis | |||
| 19 | Mûlâ | ε, ζ, η, τ, ι, κ, λ, μ und υ Scorpionis | |||
| 20 | Pûrvâshâdhâ | δ und ε Sagittarii | |||
| 21 | Uttarâshâdhâ | ζ und σ Sagittarii | |||
| 22 | Shravanâ | α, β und γ Aquilae | |||
| 23 | Dhanishthâ oder Shravishthâ | α, β, γ und δ Delphinis | |||
| 24 | Shatabhishadsh | γ Aquarii und weitere | |||
| 25 | Pûrva-bhadrapadâ | α und β Pegasi | |||
| 26 | Uttara-bhadrapadâ | γ Pegasi und α Andromedae | |||
| 27 | Revatî | ζ Piscium und weitere | |||
Diese Sternbilder wurden offenbar schon Anfang des letzten Jahrtausends vor der Zeitenwende verwendet. Später wurde von Astronomen ein 28. nakshâtra zwischen Uttarâshâdhâ und Shravanâ eingefügt, das den Namen Abhidshit trägt und die Sterne α, ε und ζ Lyrae umfasst.
Die zwölf Tierkreiszeichen spielen in Sonnenkalendern eine Rolle und kamen aus der klassischen antiken Welt nach Indien. Sie wurden sankrânti genannt und erhielten Bezeichnungen in Sanskrit, der klassischen Sprache des alten Indien, konnten jedoch die nakshâtras nicht verdrängen. Die Sanskrit-Namen werden in der folgenden Tabelle den Tierkreiszeichen gegenüber gestellt.
| Nr. | Name | Tierkreiszeichen | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Mesha | Widder | |||
| 2 | Vrishabha | Stier | |||
| 3 | Mithuna | Zwillinge | |||
| 4 | Karkata | Krebs | |||
| 5 | Simha | Löwe | |||
| 6 | Kanyâ | Jungfrau | |||
| 7 | Tula | Waage | |||
| 8 | Vrishtschika | Skorpion | |||
| 9 | Dhanus | Schütze | |||
| 10 | Makara | Steinbock | |||
| 11 | Kumbha | Wassermann | |||
| 12 | Mîna | Fische |
Der Eintritt der Sonne in einen solchen Abschnitt wird als sankrânti bezeichnet, z. B. Mesha-sankrânti für den Beginn des ersten Abschnittes. Der astronomische Jahresbeginn fällt mit dem Mesha-sankrânti zusammen. Meist wird der erste nach dem Mesha-sankrânti beginnende Tag als Jahresbeginn angenommen, aber es gibt auch hierbei regional unterschiedliche Bräuche. Da die Abschnitte auf der Ekliptik gleich lang sind (also 30°) ergeben sich durch die im Verlaufe eines Jahres unterschiedlich schnelle scheinbare Sonnenbewegung Monatslängen von 29 bis zu 32 Tagen. Die Zeit für die Durchquerung eines solchen Abschnittes liegt zwischen 29,4 und 31,6 Tagen.
Ein Jahr dieser Lunisolarkalender besteht aus zwölf oder dreizehn streng an die Mondphasen gebundenen Monaten. Eine Besonderheit der indischen Lunisolarkalender besteht darin, dass nicht nur Schaltmonate eingeschoben werden, sondern mitunter auch ein Monat ausgelassen wird. Zusätzlich können einzelne Tage eingeschoben oder ausgelassen werden. Die Regeln hierfür erscheinen zunächst etwas kompliziert.
Zur Bezeichnung der Monate dieser Lunisolarkalender wurden sowohl nakshâtras als auch sankrântis herangezogen. Die Monatsnamen orientieren sich an den Namen ausgewählter nakshâtras, von denen jedem sankrânti jeweils eines zugeordnet wurde. Die Monate erhielten ihren Namen danach, welches das letzte sankrânti vor dem Neumond der betrachteten Lunation war. Entsprechend der folgenden Tabelle wurde dann der Monatsname zugeordnet. Die Lunation etwa, deren Neumond nach dem Mîna-sankrânti (und vor dem Mesha-sankrânti) eintritt, heißt Tschaitra, die Lunation, deren Neumond zwischen Mesha-sankrânti und Vrishabha-sankrânti eintritt, Vaishâkha und so fort. Die Tabelle zeigt Jahreszeiten, Anordnung und Namen der Monate sowie das letzte sankrânti vor dem Neumond der entsprechenden Lunation.
| Jahreszeit | Nr. | Monatsname | Nakshâtra | Sankrânti | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Vasanta (Frühling) | 1 | Tschaitra | Tshitrâ | Mîna | |||
| 2 | Vaishâkha | Vischâkhâ | Mesha | ||||
| Grîshma (Sommer) | 3 | Dshyaishta | Dshyeshthâ | Vrishabha | |||
| 4 | Âshâdha | Uttarâshâdhâ | Mithuna | ||||
| Varsha (Regenzeit) | 5 | Shrâvana | Shravanâ | Karkata | |||
| 6 | Bhâdrapada | Pûrva-bhadrapadâ | Simha | ||||
| Sharad (Herbst) | 7 | Âshvina | Ashvinî | Kanyâ | |||
| 8 | Kârttika | Krittikâ | Tula | ||||
| Hemanta (Winter) | 9 | Mârgashîrsha | Mrigashiras | Vrishtschika | |||
| 10 | Pausha | Pushyâ | Dhanus | ||||
| Shishira (Kühle) | 11 | Mâgha | Maghâ | Makara | |||
| 12 | Phâlguna | Uttara-phalgunî | Kumbha |
Im südlichen Indien beginnen und enden die Monate mit dem Neumond, während im Norden die Monate von Vollmond zu Vollmond gerechnet werden.
Mit dem Verfahren der Zuweisung der Monatsnamen war gleichzeitig die Regel bestimmt, nach der ein Schaltmonat eigefügt oder - seltener - ein Monat ausgelassen werden muss. Die Zeitspanne, die die (berechnete) Sonne zur Durchquerung eines sankrântis benötigt überschneidet sich auf unterschiedliche Weise mit dem synodischen Monat. Das führt dazu, dass die im Folgenden beschriebenen Fälle eintreten können.
Das Ergebnis dieser Einrichtungen ist ein Schaltrhythmus, der dem metonischen Zyklus ähnlich ist.
Im Gegensatz zum Sonnenkalender, in dem die Tage innerhalb eines Monats einfach durchnummeriert werden, wird in den Lunisolarkalendern ein komplizierteres Verfahren zur Tagesbezeichnung verwendet, in dem einzelne Tage entfallen können oder auch eingeschoben werden können.
Ein Mondmonat setzt sich aus 30 tithis zusammen, die innerhalb einer Monatshälfte (paksha) von 1 bis 15 nummeriert werden. Ein Tag wird nun mit der Nummer desjenigen tithis bezeichnet, der bei Sonnenaufgang gültig ist. Normalerweise führt das zu einer fortlaufenden Nummerierung der Tage. Allerdings kommt es vor, dass einzelne tithi-Nummern übersprungen werden (kshaya-tithi) oder wiederholt werden (adhika-tithi). Die Gründe dafür sind ganz analog zu denen der Einschaltung oder Auslassung von Monaten. Es wird häufiger eine Nummer übersprungen als doppelt gezählt, denn die durchschnittliche Länge eines tithi ist kürzer als die eines Sonnentages(3).
Für die Festlegung des Jahresanfangs gibt es unterschiedlich Bräuche. In einigen Gebieten wird das Jahr mit dem Monat Tschaitra begonnen, in anderen mit Kârttika. Auch der Monatsanfang wird unterschiedlich gehandhabt. In Südindien wird der Monat oft einen Tag nach Neumond begonnen, im Norden gilt eher der Vollmondtag als Monatsbeginn.
Im Gegensatz zum Islamischen Kalender ist dieser Lunisolarkalender nicht beobachtungsbasiert, und es liegt auf der Hand, dass für seine Vorausberechnung einige astronomische Kenntnis nötig ist. Durch die Verschiedenheit der Bräuche und Berechnungsmethoden gibt es in den Regionen Indiens sehr unterschiedliche Varianten der hier beschriebenen Kalender. Sehr schwierig gestaltet sich auch eine Umrechnung von historischen Daten in andere Kalender, die meist nur mit einer Genauigkeit von Monaten möglich ist.
Sonnenkalender werden in Indien etwa seit dem 4. Jahrhundert verwendet und gelangten zusammen mit astronomischen Kenntnissen aus der klassischen antiken Welt nach Indien. Die auch vorher verwendeten Lunisolarkalender konnten die Sonnenkalender jedoch nicht verdrängen. Meist wurde das Datum nach einem Sonnenkalender lediglich neben dem Datum des Lunisolarkalenders genannt, um Fehler und Missverständnisse zu vermeiden. Während den meisten Sonnenkalendern das tropische Jahr zu Grunde liegt, dient indischen Sonnenkalendern das siderische Jahr als Grundlage. Obwohl schon im Altertum den indischen Astronomen die durch die Präzession hervorgerufene langsame Bewegung des Frühlingspunktes nicht verborgen geblieben ist, wurden die Kalender dieser Tatsache nie angepasst.
Die Monate tragen die Namen der Tierkreiszeichen. Ihre durchschnittliche Länge variiert im Laufe eines Jahres durch die in der Berechnung berüchsichtigte ungleichmäßige scheinbare Bewegung der Sonne. Die folgende Tabelle zeigt Anordnung, Namen und durchschnittliche Längen der Monate. Es gibt aber auch hier regionale Abweichungen
| Nr. | Name | Durchschnittliche Länge in Tagen* | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Mesha | 30,9 | |||
| 2 | Vrishabha | 31,4 | |||
| 3 | Mithuna | 31,6 | |||
| 4 | Karkata | 31,5 | |||
| 5 | Simha | 31,0 | |||
| 6 | Kanyâ | 30,5 | |||
| 7 | Tula | 29,9 | |||
| 8 | Vrishtschika | 29,5 | |||
| 9 | Dhanus | 29,4 | |||
| 10 | Makara | 29,5 | |||
| 11 | Kumbha | 29,8 | |||
| 12 | Mîna | 30,3 |
* In den unterschiedlichen siddhântas werden leicht voneinander abweichende Werte angegeben.
Jeder Monat beginnt am Tage des ersten Sonnenaufgangs nach dem rechnerisch bestimmten Monatsanfang.
In den 1950-er Jahren wurde seitens der indischen Regierung der Versuch unternommen, einen reformierten Kalender einzuführen, der in seiner Grundstruktur dem gregorianischen Kalender angeglichen war, jedoch Monatsnamen der traditionellen indischen Sonnenkalender verwendete. Die Monate erhielten feste Längen, und der Schaltrhythmus wurde an denjenigen des gregorianischen Kalenders angepasst. Anordnung, Namen und Längen der Monate dieses Kalenders sind aus der folgenden Tabelle ersichtlich.
| Nr. | Name | Länge | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Normalj. | Schaltj. | |||||
| 1 | Tschaitra | 30 | 31 | |||
| 2 | Vaishâkha | 31 | 31 | |||
| 3 | Dshyaishta | 31 | 31 | |||
| 4 | Âshâdha | 31 | 31 | |||
| 5 | Shrâvana | 31 | 31 | |||
| 6 | Bhâdrapada | 31 | 31 | |||
| 7 | Âshvina | 30 | 30 | |||
| 8 | Kârttika | 30 | 30 | |||
| 9 | Mârgashîrsha | 30 | 30 | |||
| 10 | Pausha | 30 | 30 | |||
| 11 | Mâgha | 30 | 30 | |||
| 12 | Phâlguna | 30 | 30 | |||
Der Jahresanfang, d. h. der 1. Tschaitra, fällt in Normaljahren auf den 22. März, in Schaltjahren auf den 21. März. Ein Datum dieses Kalenders entspricht daher stets einem bestimmten Datum des gregorianischen Kalenders, mit Ausnahme des Zeitraumes von (einschließlich) 10. Phâlguna bis 21. Vaishâkha bzw. vom 29. Februar bis 20. April. Während dieser Zeit ist das Datum im Shaka-Kalender um eine Einheit größer als in Normaljahren. Die Jahreszahl ist vor dem 21. bzw. 22. März um 77 Einheiten geringer als die des gregorianischen Kalenders, in Schaltjahren um 78 Einheiten.
Die Vielzahl der in Indien verwendeten Kalender konnte mit dem reformierten Shaka-Kalender nicht eingeschränkt werden. Zur Datierung von Zeitungen und Dokumenten wird meist der gregorianische Kalender verwendet, während Fest- und Feiertage nach den althergebrachten Kalendern bestimmt werden.
Bis zum 1. Jahrhundert v. u. Z. gibt es kaum Hinweise auf die Verwendung einer fortlaufenden Jahreszählung. Wenn überhaupt wurden Regierungsjahre des jeweiligen Königs angegeben. Mit zunehmenden Einflüssen aus der antiken europäischen und asiatischen Welt kam jedoch auch das Konzept einer fortlaufenden Zählung der Jahre nach Indien. Ungünstigerweise etablierte sich eine Vielzahl verschiedener Ären.
Die Vikrama-Ära, 58 v. u. Z. bezieht ihren Namen von einem bisher nicht näher bekannten König Vikramâditya, der die Shaka aus Udshdshayinî (einer Stadt im Norden Indiens) vertrieben haben soll. König Tshandra Gupta II., der tatsächlich den Titel Vikramâditya führte und die Shakas aus Udshdshayinî vertrieb, lebte allerdings etwa 400 Jahre später.
Die Shaka-Ära beginnt die Jahreszählung mit dem Jahre 78 u. Z. Sie soll von einem Shaka begründet worden sein, der 137 nach Vikramâditya Udshdshayinî erobert haben soll. Sie wurde zuerst im Westen Indiens (Mâlwâ, Kâthiâwâr und Gudsharât) gebraucht und breitete sich auf den ganzen indischen Subkontinent und bis nach Südostasien aus. Sie wird auch für den reformierten Shaka-Kalender verwendet.
Andere Ären waren für einige Zeit in Benutzung, so die Gupta-Ära, die Harsha-Ära oder die Kalatshuri-Ära. Siehe auch den Abschnitt Epochen und Ären.
Anmerkungen
1
nach dem indischen Astronomen Âryabhata, der im 5. und 6. Jahrhundert lebte.
nach Sûrya, einem Gott der arischen Kultur, den man sich ähnlich dem griechischen Gott Helios in einem flammenden Wagen über den Himmel fahrend vorstellte. In Hindi bedeutet Sûrya noch heute "Sonne".
3
Ein Mondjahr setzt sich aus 360 tithis zusammen, hat aber nur eine Dauer von etwas
mehr als 354 Tagen. Das bedeutet, dass innerhalb dieses Zeitraums durchschnittlich etwa sechs
Mal eine Nummer übersprungen werden muss.
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http://www.ortelius.de/kalender/india_de.php © Holger Oertel 2000-2008; letzte Änderung: 19. August 2007