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Das Nebeneinander von Gregorianischem und Julianischem Kalender erwies sich auf vielen Gebieten als Nachteil. In Deutschland bestanden beide Kalender über einhundert Jahre parallel. Verträge zwischen europäischen Staaten mussten häufig doppelt datiert werden, weil unterschiedliche Kalender galten. Die orthodoxen Kirchen wollten aus religiösen Gründen den Gregorianischen Kalender nicht einfach übernehmen, und so blieb der Julianische Kalender bis ins 20. Jahrhundert bei ihnen in Gebrauch.
Im Jahre 1864 schlug der deutsche Astronom Johann Heinrich Mädler einen Kalender vor, der sowohl den Julianischen als auch den Gregorianischen Kalender ersetzen sollte. In ihm sollten 31 Schaltjahre in einem 128-jährigen Schaltzyklus enthalten sein. Jedes vierte Jahr sollte demnach ein Schaltjahr sein mit der Ausnahme, dass aller 128 Jahre ein Schaltjahr entfallen würde. Dieser Kalender hätte eine mittlere Jahreslänge von 365 + 31/128 = 365,24219 Tagen gehabt, eine deutlich bessere Annäherung an die tatsächliche Jahreslänge als der Gregorianische Kalender.
Um den Kalender einzuführen hätte zunächst die im 19. Jahrhundert zwölf Tage betragende Differenz zum Gregorianischen Kalender durch Auslassung einer entsprechenden Anzahl von Tagen ausgeglichen werden müssen. Mädler ließ einen 128-Jahreszyklus im Jahre 1901 beginnen, so dass der Kalender bis zum 28. Februar 2028 mit dem Gregorianischen Kalender übereingestimmt hätte. 2028 wäre das letzte Jahr des ersten 128-Jahres-Zyklus und somit nach Mädlers Vorschlag kein Schaltjahr.
1899 wurde das Kalenderprojekt Mädlers von einer Kalenderreformkommission der Russischen Astronomischen Gesellschaft vorgeschlagen, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.
Nach dem Ersten Weltkrieg war der Julianische Kalender offiziell noch in Rumänien, Jugoslawien und Griechenland gültig. Da besonders Rumänien und Jugoslawien größere katholische Bevölkerungsteile hatten, verstärkte sich der Druck, den Kalender der orthodoxen Kirchen anzugleichen.
Auf einem Konzil der orthodoxen Ostkirchen in Konstantinopel (Istanbul) wurde im Jahre 1923 schließlich die Annahme des Neujulianischen Kalenders beschlossen, der von dem jugoslawischen Astronomen Milutin Milanković erarbeitet worden war.
Neben einem Ausgleich der inzwischen auf dreizehn Tage angewachsenen Differenz zum Gregorianischen Kalender wurde ein veränderter Schaltrhythmus festgelegt. Auch im Neujulianischen Kalender sind alle durch vier teilbaren Jahre Schaltjahre mit Ausnahme der Jahrhundertjahre, für die eine gesonderte Regel gilt: Jahrhundertjahre sind nur dann Schaltjahre, wenn sie bei Division durch 900 den Rest 200 oder 600 lassen. Dies ist bei den Jahren 2000, 2400 und 2900 der Fall. In diesem Kalender haben 900 Jahre 328718 Tage, womit sich eine mittlere Jahreslänge von 328718/900 = 365,24222... d = 365 d 5 h 48 min 48 s ergibt.
Mit dem geänderten Schaltrhythmus wäre das Jahr 2800 des Neujulianischen Kalenders kein Schaltjahr, während es im Gregorianischen Kalender eines wäre. Der Vorschlag ist also so gewählt, dass genügend Zeit bleibt, bevor wegen eines erneuten Abweichens von Neujulianischem und Gregorianischem Kalender eine allen christlichen Kirchen gemeinsame Zeitrechnung festgelegt werden muss.
Unglücklicherweise wurde der Kalender nicht von allen orthodoxen Kirchen angenommen, so dass bis heute die Russische orthodoxe Kirche ihre Feste nach dem Julianischen Kalender begeht.
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http://www.ortelius.de/kalender/grref_de.php © Holger Oertel 2000-2008; letzte Änderung: 19. August 2007