| ← | Koptischer u. Äthiopischer Kalender | Kalender-Startseite • Glossar • Kalenderberechnungen • Kalender-Rechner • Osterrechner • english | Mädler-Vorschlag u. Neujulianischer Kalender | → |
Durch das zu lange Jahr des Julianischen Kalenders verschob sich das Frühjahrsäquinoktium im Kalenderjahr langsam rückwärts. Diese Tatsache wurde bereits im frühen Mittelalter bemerkt. Bereits im 13. Jahrhundert gab es erste Vorschläge, den Kalender zu korrigieren. So machte John Holiwood, genannt Sacrobosco, im Jahre 1232 den Vorschlag, aller 288 Jahre ein Schaltjahr auszulassen. Giovanni Campano machte Papst Urban IV. (Papst 1261-1264) den Vorschlag, Äquinoktien und Vollmonde durch astronomische Beobachtungen festzustellen.
Auch im Bereich der Orthodoxen Kirchen wurde das Problem diskutiert. 1324 informierte der byzantinische Gelehrte Nikiforos Grigorius Kaiser Andronikos II. (r. 1282-1328) über das sich verschiebende Äquinoktium und hielt eine Korrektur des Kalenders für erforderlich. Andere Gelehrte betrachteten die Verschiebung jedoch als vorteilhaft, da dann das Osterfest nicht mehr gleichzeitig mit dem Passah-Fest stattfindet. Der Gelehrte Isaak Argyros hielt im Jahre 1373 eine Reform trotz der bekannten Ungenauigkeiten nicht für notwendig, da im Jahre 1491 ohnehin der jüngste Tag käme - am 1. September 1491 würde das Jahr 7000 der byzantinischen Weltära beginnen.
Im März 1437 wurde auf dem Konzil zu Basel ein Vorschlag Nikolaus' von Kues (Cusanus) diskutiert, die letzten sieben Tage des Mai 1439 wegzulassen, um die inzwischen aufgelaufene Verschiebung zu korrigieren. Papst Sixtus IV. (Papst 1471-1484) begann 1475 erneut, eine Kalenderreform vorzubereiten und lud dazu den Astronomen und Mathematiker Johannes Müller, der sich nach seiner Heimatstadt Königsberg in Franken Regiomontanus nannte, nach Rom ein. Kurz nach seiner Ankunft starb Regiomontanus jedoch 1476 in Rom.
Sowohl auf dem Laterankonzil (1512-1517) als auch auf dem Tridentinischen Konzil (1545-1563) Stand der Kalender auf der Tagesordnung, ohne dass man jedoch zu einem Ergebnis kam. Einer Einladung zum Tridentinischen Konzil folgte der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus mit der Begründung nicht, dass die wahre Länge des tropischen Jahres noch nicht ausreichend genau bekannt sei. Erst unter Papst Gregor XIII. (Papst 1572-1585) kam es dann zur Umsetzung einer Reform.
In der Bulle "Inter gravissimas" verkündete Gregor XIII. die Kalenderreform, nach der auf den 4. Oktober 1582 unmittelbar der 15. Oktober 1582 folgen sollte. Der Ablauf der Wochentage blieb hiervon unberührt. Die Schaltregel wurde dahin gehend geändert, dass Jahrhundertjahre in Zukunft keine Schaltjahre sein sollten, ausgenommen jedoch wiederum die durch 400 teilbaren. Die Jahre 1700, 1800, 1900 und 2100 wurden nun Normaljahre, während 1600 und 2000 Schaltjahre blieben. Damit haben 400 Jahre insgesamt 146097 Tage, wodurch eine mittlere Jahreslänge von 146097/400 = 365,2425 = 365 d 5 h 49 min 12 s entsteht. Die angenommene wahre Länge des tropischen Jahres (365 d 5 h 49 min 16 s) - astronomischen Tafeln entnommen, die 1552 von Erasmus Reinhold in Königsberg herausgegeben worden waren - wurde somit bis auf vier Sekunden angenähert. Der noch vorhandene Fehler gegenüber der tatsächlichen Länge des tropischen Jahres beträgt erst in über 3000 Jahren einen Tag.
Schließlich wurde verfügt, dass der Gregorianische Kalender keine rückwirkende Gültigkeit erhalten solle. Auch die Berechnung des Osterfestes wurde umgestellt, siehe hierzu den Artikel "Die Berechnung des Osterfestes".
Der neue Kalender wurde zu dem vom Papst dekretierten Termin nur in Spanien, Portugal und dem größten Teil Italiens eingeführt. Die übrigen katholischen Länder Europas folgten 1583 und 1584. Die protestantischen Länder Deutschlands weigerten sich zunächst, den neuen Kalender einzuführen und blieben noch bis 1700 beim Julianischen Kalender. Dann wurde der so genannte Verbesserte Kalender eingeführt, der sich vom Gregorianischen Kalender durch die Berechnung des Osterfestes unterschied. Erst seit 1776 bestimmen in Deutschland evangelische und katholische Christen Ostern auf die gleiche Weise. Eine kurze Übersicht über die Einführung des neuen Kalenders zeigt die Zeitpunkte der Umstellung in verschiedenen Ländern und Gebieten.
Vollkommen entglitten ist die Kalenderumstellung zeitweilig in Schweden. Das Jahr 1700, das nach dem in Schweden noch geltenden Julianischen Kalender ein Schaltjahr war, wurde zum Normaljahr, ohne dass jedoch die zum Ausgleich gegenüber dem Gregorianischen Kalender notwendigen zehn Tage ausgelassen wurden. Im Ergebnis war der Kalender in Schweden dem Julianischen um einen Tag voraus und zehn Tage hinter dem Gregorianischen Kalender her.
Im Jahre 1712 wurde wieder an den Julianischen Kalender angeglichen, indem man einen 30. Februar einschaltete. Erst weitere 41 Jahre später, 1753, stellte Schweden auf den neuen Stil um.
Die osteuropäischen Länder behielten den alten Stil bis ins 20. Jahrhundert bei. In Teilen Russlands (seit 1809 Finnland und seit 1815 Polen) war schon der Gregorianische Kalender eingeführt, während im eigentlichen Russland der Julianische Kalender erst 1700 durch Peter den Großen eingeführt worden war. Zuvor galt hier eine eigene Jahreszählung "seit der Schaffung der Welt", die auf das Jahr 5509 v. u. Z. angesetzt worden war. Das Jahr begann mit dem 1. September. Die Umstellung auf den Julianischen Kalender geschah, indem man auf den 31. Dezember 7208 den 1. Januar 1700 folgen ließ.
Schließlich wurde im Osmanischen Reich bzw. der Türkei der islamische Kalender gebraucht, der in der Türkei 1926 dem Gregorianischen Kalender weichen musste.
Die folgende Tabelle gibt die Termine der Umstellung für einige Gebiete an. Angegeben sind jeweils der letzte Tag im Julianischen und der erste im neuen Kalender.
| Italien∗, Spanien, Portugal, kath. Polen | 4. / 15. Okt. 1582 | ||
| Frankreich, Lothringen | 9. / 20. Dez. 1582 | ||
| Holland, Brabant, Flandern | 21. Dez. 1582 / 1. Jan. 1583 | ||
| Bm. Lüttich | 10. / 21. Feb. 1583 | ||
| Bm. Augsburg | 13. / 24. Feb. 1583 | ||
| Bm. Trier | 4. / 15. Okt. 1583 | ||
| Groningen (Stadt)† | 28. Feb. / 11. Mär. 1583 | ||
| Bayern, Bmr. Freising, Eichstätt, Regensburg, Salzburg, Brixen | 5. / 16. Okt. 1583 | ||
| österr. Oberelsaß, Breisgau | 13. / 24. Okt. 1583 | ||
| Bm. Basel | 20. / 31. Okt. 1583 | ||
| Hzm. Jülich-Berg | 2. / 13. Nov. 1583 | ||
| Ebm. Köln, Stadt Köln | 3. / 14. Nov. 1583 | ||
| Bm. Würzburg | 4. / 15. Nov. 1583 | ||
| Ebm. Mainz | 11. / 22. Nov. 1583 | ||
| Bm. Straßburg, Mgft. Baden | 16. / 27. Nov. 1583 | ||
| Bm. Münster, Hzm. Cleve | 17. / 28. Nov. 1583 | ||
| Steiermark | 14. / 25. Dez. 1583 | ||
| Österreich, Böhmen | 6. / 17. Jan. 1584 | ||
| Luzern, Uri, Schwyz, Zug, Freiburg, Solothurn | 11. / 22. Jan. 1584 | ||
| Schlesien, Lausitz | 12. / 23. Jan. 1584 | ||
| Ungarn§ | 22. Jan. / 2. Feb. 1584 | ||
| Hzm. Westfalen | 1. / 12. Jul. 1584 | ||
| Bm. Paderborn | 16. / 27. Jun. 1585 | ||
| Unterwalden | im Juni 1587 | ||
| Ungarn‡ | 10. / 21. Okt. 1587 | ||
| Siebenbürgen | 14. / 25. Dez. 1590 | ||
| Hzm. Preußen | 22. Aug. / 2. Sep. 1610 | ||
| Pfalz-Neuburg | 13. / 24. Dez. 1615 | ||
| Hzm. Kurlando | 1617 | ||
| Bm. Osnabrück | 1624 | ||
| Bm. Hildesheim | 15. / 26. Mär. 1631 | ||
| Kanton Wallis | 28. Feb. / 11. Mär. 1655 | ||
| Fsm. Minden | 1. / 12. Feb. 1668 | ||
| Stadt Straßburg | 5. / 16. Feb. 1682 | ||
| evangel. Deutschland, Dänemark, Norwegen | 18. Feb. / 1. Mär. 1700 | ||
| Gelderland, Zutphen | 30. Jun. / 12. Jul. 1700 | ||
| Island | 16. Nov. / 28. Nov. 1700 | ||
| Utrecht, Overijssel | 30. Nov. / 12. Dez. 1700 | ||
| Friesland, Groningen, Zürich, Bern, Basel, Genf, Thurgau, Schaffhausen | 31. Dez. 1700 / 12. Jan. 1701 | ||
| Glarus, Appenzell, St. Gallen (Stadt) | 1724 | ||
| Pisa, Florenz | 20. Dez. 1750 / 1. Jan. 1751 | ||
| Großbritannien | 2. / 14. Sep. 1752 | ||
| Schweden (mit Finnland) | 17. Feb. / 1. Mär. 1753 | ||
| Graubünden | von 1760 bis 1812 | ||
| Albanien | 1913 | ||
| Bulgarien | 31. Mär. / 14. Apr. 1916 | ||
| Russland | 31. Jan. / 14. Feb. 1918 | ||
| Jugoslawien | 14. / 28. Jan. 1919 | ||
| Griechenland | 15. Feb. / 1. Mär. 1923 | ||
| Griech.-Orthodoxe Kirche | 9. / 23. Mär. 1924 | ||
| Rumänien | 30. Sep. / 14. Okt. 1924 | ||
| Osmanisches Reich (Steuerjahr) | 15. Feb. / 1. Mär. 1917 | ||
| Türkei | 1. Jan. 1926 |
| ∗ | mit Ausnahmen |
| † | Wiedereinführung des Julianischen Kalenders: 19./10. Nov. 1594, endgültige Einführung des Greg. Kalenders 1700/01 (siehe Liste) |
| § | Einführung im bürgerlichen Leben |
| ‡ | gesetzliche Einführung |
| o | Nachdem Kurland in den Polnischen Teilungen an Russland gekommen war, wurde der Julianische Kalender wieder eingeführt. |
Abkürzungen: Bm.-Bistum, Ebm.-Erzbistum, Fsm.-Fürstentum, Hzm.-Herzogtum, Mgft.-Markgrafschaft
| ← | Koptischer u. Äthiopischer Kalender | Kalender-Startseite • Glossar • Kalenderberechnungen • Kalender-Rechner • Osterrechner • english | Mädler-Vorschlag u. Neujulianischer Kalender | → |
http://www.ortelius.de/kalender/greg_de.php © Holger Oertel 2000-2008; letzte Änderung: 19. August 2007