Koptischer und Äthiopischer Kalender

Die Einführung des Julianischen Jahres in Ägypten (s. Ägyptischer Kalender) geschah, indem aller vier Jahre ein sechster Zusatztag gezählt wurde, die Länge der übrigen Monate aber unverändert blieb. Dieser so genannte Alexandrinische Kalender blieb über Jahrhunderte in Gebrauch. Enge Handelsbeziehungen brachten mit Händlern aus Byzanz und anderen christlichen Ländern den Kalender nach Aksum, einem Reich im Norden des heutigen Äthiopien. Der aksumitische König Ezana nahm schließlich im 4. Jahrhundert den christlichen Glauben an und führte mit ihm auch den Alexandrinischen Kalender ein. Im 7. Jahrhundert kam mit dem Islam auch der Islamische Kalender nach Nordafrika, und der bisherige Kalender verlor hier an Bedeutung.

Im Streit um die Natur Christi vertrat die Kirche von Alexandria den Monophysitismus, nach dem sich göttliche und menschliche Natur in Christus zu einer einer göttlichen Natur und Person vereinigen. Auf dem Konzil von Chalcedon (heute Kadiköy) im Jahre 451 wurde offziell zum Dogma erhoben, dass zwei Naturen in der Person Christus existierten. Im Streit erfolgte die Trennung der Kirche von Alexandria von der Römischen Kirche. Bis zur arabischen Eroberung Alexandrias residierte in der Stadt zwar noch ein "rechtgläubiger" Patriarch; dessen Einfluss beschränkte sich aber im Wesentlichen auf die eingewanderten Griechen. Die einheimischen Ägypter folgten fast ausschließlich der durch die Abspaltung neu entstandenen koptischen Kirche. Die äthiopische Kirche folgte ebenfalls nicht den Beschlüssen des Konzils von Chalcedon. Sowohl die koptische als auch die äthiopische Kirche nutzten weiterhin den Alexandrinischen Kalender.

Innere Struktur und Schaltrhythmus

Die innere Struktur des koptischen wie des äthiopischen Kalenders entspricht der des Alexandrinischen Kalenders, d. h. das Jahr hat 12 Monate mit jeweils 30 Tagen, die von fünf bzw. sechs Zusatztagen gefolgt werden. In Schaltjahren - wie im Julianischen Kalender jedes vierte Jahr - wird dabei ein sechster Zusatztag gezählt. Die folgende Tabelle zeigt die koptischen und die äthiopischen Monatsnamen sowie die Monatslängen.

 Nr. koptischäthiopischLänge 
Gemeinj.Schaltj.
 ThooutMaskarram3030
 PaapeTekemr3030
 HatorHadar3030
 KiahkTahsas3030
 TobeTarr3030
 MshirYekatit3030
 ParemhatMakawit3030
 ParmouteMiaziah3030
 PashonsGenbot3030
10  PaoneSanni3030
11  EpepHamle3030
12  MesoreNashi3030
13  PaguemenQuaggimi56

Durch diese Anordnung entspricht ein bestimmtes Datum des koptischen/äthiopischen Kalenders stets einem bestimmten Datum des Julianischen Kalenders, außer in dem Zeitraum vom 29. August eines von einem Schaltjahre gefolgten Jahres des Julianischen Kalenders bis zum 29. Februar des Julianischen Schaltjahres. In diesem Zeitraum sind die Daten um eine Einheit verschoben, da der 29. August dann dem sechsten Zusatztag des koptischen/äthiopischen Kalenders entspricht und nicht, wie in den anderen Jahren, dem Neujahrstage.

Epochen

Der koptische Kalender zählt seine Jahre nach der "Ära der Märtyrer" bzw. der Diokletianischen Ära, die mit dem 29. August 284 des Julianischen Kalenders beginnt. Der Äthiopische Kalender beginnt die Zählung am 29. August des Jahres 7 u. Z.

Festtage

Das Datum des Ostersonntages entspricht dem nach dem Julianischen Kalender ermittelten Osterdatum, das dann noch in den koptischen bzw. äthiopischen Kalender umgerechnet wird. Der Ostersonntag kann also auf Daten zwischen einschließlich 26. Paremhat und 30. Parmoute fallen. Einige unbewegliche Festtage sind Epiphanias (11. Tobe), Mariä Verkündigung (29. Paremhat) und Weihnachten (29. Kiahk).

 

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http://www.ortelius.de/kalender/coptic_de.php   © Holger Oertel 2000-2008; letzte Änderung: 19. August 2007

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