Chinesischer Kalender, Kalender in Japan und Vietnam

Chinesischer Kalender

Allgemeines

Trotz vieler Umbrüche weist die chinesische Geschichte von der Bronzezeit bis heute eine Kontinuität auf, die man anderswo vergeblich sucht. Mit der Revolution im Jahre 1911 endete die über 2000-jährige Geschichte des Kaiserreichs. Von der republikanischen Regierung wurde 1912 der Gregorianische Kalender eingeführt. Der überlieferte Kalender blieb dennoch in der Bevölkerung bis heute in Gebrauch. Vom ehemals großen Einfluss des Kaiserreichs in Ostasien zeugt auch die Verbreitung des Kalenders, der in sehr ähnlicher Form auch in Japan und Vietnam verwendet wurde und wird.

Entwicklung des Kalenders

Aus der Shang-Zeit (etwa 1600 v. u. Z. - 1100 v. u. Z.) sind Orakelknochen überliefert, die den Gebrauch eines Kalenders belegen, in dem die Tage in einem 60-Tage-Zyklus bezeichnet wurden. In der Zhou-Zeit (etwa 1100 v. u. Z. - 221 v. u. Z.) ging man dazu über, auch die Jahre in einem 60-er Zyklus zu bezeichnen. Die Länge des tropischen Jahres wurde mit 365,25 Tagen, die des synodischen Monats mit 29,5 Tagen bestimmt worden. Die ausgehende Zhou-Zeit ist als die Zeit der "Streitenden Reiche" in die Geschichte eingegangen. In ihr war bereits ein dem heutigen chinesischen Lunisolarkalender sehr ähnlicher Kalender in Gebrauch. Ein Jahr bestand aus 12 Mondmonaten mit jeweils 29 oder 30 Tagen. Von Zeit zu Zeit wurde ein dreizehnter Monat eingeschoben. Die Monate begannen mit Neumond und wurden in drei Dekaden geteilt. Während der Regierungszeit des ersten Qin-Kaisers Shihuang Di (r. 221 v. u. Z. - 210 v. u. Z.) wurde der Jahresanfang um eine Lunation vorverlegt. Für landwirtschaftliche Zwecke verwendete man 24 Halbmonate, die durch die Bewegung der Sonne durch 24 entlang der Ekliptik festgelegte Abschnitte definiert wurden.

In die Zeit der Han-Dynastie fällt eine im Jahre 104 v. u. Z. durchgeführte größere Kalenderreform, die den Jahresanfang erneut verschob, dergestalt, dass die Wintersonnenwende stets im elften Monat eintritt. Davon wurde später noch mehrmals abgewichen (letztmalig im Jahre 761), dennoch gilt dieser Jahresanfang bis heute. Im Rahmen der Reform wurde auch ein verbesserter Wert für die mittlere Länge des synodischen Monats eingeführt, der mit 2943/81 Tagen erstaunlich genau ist. Für die Definition von Schaltregeln für den Lunisolarkalender verwendete man die 24 Halbmonate des landwirtschaftlichen Kalenders.

Um die Zeitenwende, gegen Ende der Han-Dynastie, wurde von chinesischen Astronomen erstmals ein Unterschied in der Länge zwischen siderischem und tropischem Jahr vermutet. Im 4. Jahrhundert war dieser Unterschied dann zweifelsfrei festgestellt worden und damit die Präzession entdeckt worden.

Nachdem man 619 dazu übergegangen war, die wahren Neumonde zur Bestimmung des Monatsanfanges zu verwenden, wurde 1281 in einer weiteren Reform die Jahreslänge mit 365,2425 Tagen festgelegt. Damit hatte der Kalender in China bereits 300 Jahre vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders dessen Genauigkeit. Ab 1645 verwendete man auch für die Sonnenmonate wahre Längen an Stelle der mittleren.

Traditionell sind bis heute ein Lunisolarkalender und ein Sonnenkalender in Gebrauch. Offiziell gilt in China jedoch seit 1912 der Gregorianische Kalender.

Sonnenkalender

Bereits während der Qin-Dynastie wurde ein Sonnenkalender entwickelt, der das Jahr in 24 Abschnitte teilte, die nach Wettererscheinungen oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten benannt wurden, die in dem entsprechenden Zeitraum eintreten bzw. anstehen. Es wird zwischen Hauptabschnitten (Zhongqi) und Nebenabschnitten (Jieqi) unterschieden, die einander abwechseln. Die folgende Tabelle zeigt die Namen der Abschnitte und die ungefähren zeitlichen Ensprechungen im Gregorianischen Kalender. Die Hauptabschnitte sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet.

 Nr.Nameungefähre Bedeutungeklipt.
Länge
Beginn ca.
(greg.)
 
1 LichunFrühlingsanfang315°4.Februar
1* YushuiRegenwasser330°19.Februar
2 JingzheErwachen der Insekten345°6.März
2* ChunfenFrühlingstag- u. -nachtgleiche21.März
3 QingmingHell und Klar15°5.April
3* GuyuRegen für Körnerfrüchte30°20.April
4 LixiaSommeranfang45°6.Mai
4* XiaomanKleiner Überfluss60°21.Mai
5 MangzhongGetreidedrusch75°6.Juni
5* XiazhiSommersonnenwende90°22.Juni
6 XiaoshuKleine Hitze105°7.Juli
6* DashuGroße Hitze120°23.Juli
7 LiqiuHerbstanfang135°8.August
7* ChushuEnde der Hitze150°23.August
8 BailuWeißer Tau165°8.September
8* QiufenHerbsttag- und -nachtgleiche180°23.September
9 HanluKalter Tau195°8.Oktober
9* Shuangjiang Rauhreif210°24.Oktober
10 LidongWinteranfang225°8.November
10* XiaoxueKleiner Schnee240°22.November
11 DaxueGroßer Schnee255°7.Dezember
11* DongzhiWintersonnenwende270°22.Dezember
12 XiaohanKleine Kälte285°6.Januar
12* DahanGroße Kälte300°20.Januar

Da die Abschnitte entlang der Ekliptik gleich groß sind, die scheinbare Sonnenbewegung jedoch durch die elliptische Erdumlaufbahn im Laufe eines Jahres unterschiedlich schnell erfolgt, haben die Abschnitte unterschiedliche Länge zwischen etwa 29,5 und 31,4 Tagen.

Eine Jahreszählung ist im Sonnenkalender nicht üblich. Heute dienen die Zeitabschnitte hauptsächlich als Element des Lunisolarkalenders.

Lunisolarkalender

Das Jahr dieses Kalenders besteht aus zwölf, in Schaltjahren dreizehn Mondmonaten. Die Bestimmungen, wann ein Schaltmonat eingefügt wird, erinnert an die entsprechenden Regelungen in indischen Kalendern, in denen Mondjahr und siderisches Jahr in Einklang gebracht werden. Im Unterschied dazu dient für den chinesischen Kalender das tropische Jahr als Grundlage.

Der erste Tag eines jeden Monats ist derjenige, in den der Neumond fällt. Dabei wird heute den Berechnungen der Meridian 120° östlicher Länge zu Grunde gelegt. Die Monate werden innerhalb des Jahres von eins bis zwölf durchnummeriert. In Jahren mit 13 Monaten erhält der Schaltmonat die gleiche Nummer wie der vorhergehende Monat mit einem Zusatz, der ihn als den Schaltmonat kenntlich macht. Die Sonnenmonate sind im Allgemeinen länger als die Mondmonate. So kommt es von Zeit zu Zeit dazu, dass ein Mondmonat vollständig innerhalb eines Sonnenmonats liegt. In diesem Mondmonat tritt die Sonne also nicht in einen Hauptabschnitt (Zhongqi) ein. Der erste Monat innerhalb eines Jahres, für den das gilt, ist dann der Schaltmonat. Der Jahresanfang wird so gelegt, dass die Wintersonnenwende in den elften Monat fällt.

Die Jahresbezeichnung des Chinesischen Kalenders erinnert an die Tagesbezeichnung des Maya-Kalenders. Ursprünglich wurde auch in China diese Bezeichnungsweise für Tage angewendet, aber schon bald auf die Jahre übertragen und nur noch für diese verwendet. Für die Bezeichnung der Jahre werden zehn Himmlische Stämme mit zwölf Irdischen Geschlechtern kombiniert. Die Bezeichnungen und Anordnungen von Stämmen und Geschlechtern zeigen die folgenden Tabellen.

Stamm Geschlecht
Nr.NameNr.NameTierkreiszeichen
1Jia1ZiRatte
2Yi2ChouOchse
3Bing3YinTiger
4Ding4MaoHase
5Wu5ChenDrache
6Ji6SiSchlange
7Geng7WuPferd
8Xin8WeiSchaf
9Ren9ShenAffe
10Gui10YouHuhn
 11XuHund
12HaiSchwein

Ein Jahr wird mit einer Kombination aus Stamm und Geschlecht bezeichnet. Dabei beginnt man für das erste Jahr mit dem Namen Jia-Zi. Für das zweite Jahr werden der folgende Stamm und das folgende Geschlecht kombiniert, und man erhält Yi-Chou. Für das dritte Jahr lautet die Bezeichnung Bing-Yin usw. Nach Erreichen des letzten Stammes bzw. Geschlechts wird im Folgejahr wieder mit dem ersten begonnen. Mit dieser Bezeichnungsweise wiederholen sich die Jahresbezeichnungen nach 60 Jahren, dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen von zehn und zwölf. Traditionell legt man den Beginn des ersten 60-Jahres-Zyklus in das Jahr 2637 v. u. Z., obwohl eine Zählung der Zyklen unüblich ist. Der zur Zeit laufende 78. Zyklus begann im Jahre 1984. Häufig wird ein Jahr nur durch das entsprechende Tier bezeichnet. So begann im Februar 2007 das Jahr des Schweines.

Die Jahre wurden in China zunächst nach Ären gezählt, die der entsprechende Kaiser nach eigenem Ermessen bestimmte. Dies waren im Allgemeinen keine Herrscherjahre. Erst seit der Ming-Dynastie ab dem späten 14. Jahrhundert legte der Kaiser eine mit dem ersten Neujahrstage nach der Thronbesteigung beginnende Ära fest. Diese Ära erhielt einen Namen, der nach dessen Tod auf den Kaiser übertragen wurde. Die Datierung nach Herrscherjahren wurde bis zum Sturz des letzten Kaisers beibehalten. Am 1. Januar 1912 führte die Regierung der Republik den Gregorianischen Kalender ein, ohne dessen Ära zu übernehmen. Es wurde die Minguo-Ära (Ära der Republik) eingeführt, die am 1. Januar 1912 beginnt. Erst 1949 wurde auf dem Festland auch die Ära des Gregorianischen Kalenders übernommen, während man auf Taiwan bis heute die Minguo-Ära benutzt, deren Jahr 99 dem Jahre 2010 des Gregorianischen Kalenders entspricht.

Feiertage

Im Verlaufe des Jahres werden viele Festtage begangen. Der Neujahrstag, Yuandan, fällt auf den ersten Neumond nach dem 20. Januar, d. h. zwischen 21. Januar und 20. Februar und wird mit Feuerwerken gefeiert. Weitere Feiertage waren oder sind unter anderen

Kalender in Japan

Beide Kalenderformen des Chinesischen Kalenders, d. h. Sonnenkalender und Lunisolarkalender, wurden von Japan aus China übernommen.

Sonnenkalender

Das Jahr wurde in 12 Abschnitte (setsu) geteilt, die wiederum in jeweils zwei Hälften gegliedert wurden. Der Beginn der ersten Hälfte wurde sekki genannt, der Beginn der zweiten Hälfte chūki. Die Hälfte von sekki bis chūki entsprach somit dem chinesischen Nebenabschnitt (Jieqi), die Hälfte von chūki bis sekki dem Hauptabschnitt (Zhongqi). Letztere sind in der folgenden Tabelle mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet.

  Nameungefähre Bedeutung 
Frühjahr RisshunFrühlingsanfang
* UsuiRegenwasser
KeichitsuEnde des Schlafes der Insekten
* ShumbunFrühlingstag- u. -nachtgleiche
SeimeiRein und Klar
* KokuuRegen für Körnerfrüchte
Sommer RikkaSommeranfang
* ShōmanKleine Reife
BōshuGrannen und Saat
* GeshiSommersonnenwende
ShōshoKleine Hitze
* TaishoGroße Hitze
Herbst RisshūHerbstanfang
* ShoshoErträgliche Hitze
HakuroWeißer Tau
* ShōbunHerbsttag- und -nachtgleiche
KanroKalter Tau
* SūkūFrost kommt herab
Winter RittūWinteranfang
* ShūsetsuKleiner Schnee
TaisetsuGroßer Schnee
* TūjiWintersonnenwende
ShūkanKleine Kälte
* DaikanGroße Kälte

Lunisolarkalender

Der Kalender folgt in seinem Aufbau und den Schaltregeln dem chinesischen Vorbild. Die Bestimmungen zum Einschub eines Schaltmonats wurden im Jahre 604 aus China übernommen. Auch spätere Reformen wurden in Japan meist umgesetzt, wenn auch oft mit einem Verzug von Jahren oder auch Jahrhunderten. Daher können Daten des japanischen Kalenders um wenige Tage oder einen Monat von denen des chinesischen Kalenders abweichen.

Die Jahresbezeichnung erfolgt im gleichen 60-Jahres-Rhythmus wie im chinesischen Kalender unter Verwendung von Stämmen und Geschlechtern. Die Namen der Geschlechter und die ihnen zugeordneten Tierzeichen zeigt die folgende Tabelle.

Nr.NameTierkreiszeichen
1NeRatte
2UshiOchse
3ToraTiger
4UHase od. Kaninchen
5TatsuDrache
6MiSchlange
7UmaPferd
8HitsujiWidder od. Schaf
9SaruAffe
10ToriHahn
11InuHund
12IEber

In Japan wurden neben dem 60-Jahres.Zyklus weitere Systeme zur Jahresbezeichnung benutzt. Aus China übernahm man die Datierung nach Herrscherjahren. Wie in China wurde dabei das erste Herrscherjahr das erste nach der Thronbesteigung beginnende Jahr. Später kam die Festlegung offizieller Ären anlässlich wichtiger Ereignisse auf. Die erste solche Ära (Nengō) wurde 645 unter dem Namen Taika (Große Reform) eingeführt. Im Laufe der weiteren japanischen Geschichte wurden viele Nengōs festgelegt, die mitunter recht kurz waren. Erst seit der Restauration der Kaiserherrschaft im Jahre 1868 wird eine neue Ära nur noch bei der Thronbesteigung des Kaisers ausgerufen. Diese dauert dann bis zum Ende der Herrschaft dieses Kaisers. Die Jahre entsprechen denen des Gregorianischen Kalenders seit seiner Einführung 1873. Die Ära des Kaisers Hirohito trug den Namen Shōwa und dauerte von 1926 (= Shōwa 1) bis 1989 (= Shōwa 64). Mit der Thronbesteigung des Kaisers Akihito im Jahre 1989 begann die Heisei-Ära. Dem zur Zeit laufenden Jahr 2010 entspricht das Jahr Heisei 22. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam die Japanische National-Ära auf, die mit dem Jahre 661 beginnt. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war diese Ära verbreitet in Gebrauch, wobei zur Unterscheidung von der christlichen Ära die Wörter kigen (Beginn der Dynastie) oder kōki (Kaiserliche Ära) beigefügt wurden.

Vietnamesischer Kalender

Ebenso wie in Japan und China gilt auch in Vietnam offiziell der Gregorianische Kalender. Der einheimische, in seiner Struktur von China übernommene Kalender findet jedoch auch hier breite Anwendung. Es handelt sich um einen Lunisolarkalender, der im Wesentlichen dem chinesischen entspricht. Die Jahresbezeichnung erfolgt ebenfalls unter Verwendung eines Himmlischen Zyklus von 10 Jahren und eines Irdischen Zyklus von 12 Jahren Länge. Sie entspricht im Ergebnis dem vom chinesischen Kalender bekannten 60-Jahreszyklus. Namen der Jahre des Himmlischen und Irdischen Zyklus sowie die zugeordneten Tiere finden sich in der folgenden Tabelle.

Stamm Geschlecht
Nr.NameNr.NameTier
1Giáp1Maus
2Ầt2SủủBüffel
3Bính3DâǹTiger
4Dinh4MãoKatze
5Mậu5Thin̄Drache
6Kỷ6TịSchlange
7Canh7NgọPferd
8Tân8MūiZiege
9Nhân9ThânAffe
10Qúi10DậuHuhn
 11TuấtHund
12HợiSchwein

Weitere Kalender

Die Jahresbezeichnung innerhalb eines 60-Jahreszyklus findet sich in Kalendern in Korea, Kambodscha, Laos und Thailand, wenn auch offiziell der Gregorianische Kalender Anwendung findet. In Südostasien zeigt sich bereits der Einfluss indischer Kalender: In Kambodscha und Thailand tragen die Monate Namen, die denen indischer Kalender nahe stehen, und die Wochentagsbezeichnungen leiten sich aus Sanskrit-Namen her.

 

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http://www.ortelius.de/kalender/china_de.php   © Holger Oertel 2000-2008; letzte Änderung: 22. September 2007

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